Eine Gitarre kaufen ist der Start einer epischen Reise. Aber welches Modell? Keine Panik! Dieser Guide zeigt dir, wie du dein Trauminstrument findest, ohne Schrott zu kaufen.
Warum der Kauf der richtigen Gitarre dein Leben rockt (Die 5 größten Vorteile)
Mal ehrlich, wir fangen doch nicht an, Gitarre zu spielen, weil wir Noten lieben. Wir fangen an, weil wir rocken wollen. Weil wir am Lagerfeuer der Held sein wollen oder weil wir den Song nachspielen wollen, der uns Gänsehaut verpasst. Aber wenn du dir gleich am Anfang die falsche Axt (so nennt man Gitarren manchmal) schnappst, ist der Frust vorprogrammiert. Wenn du aber die richtige findest, passiert Magie:
- 🎸 Motivation pur: Ein Instrument, das sich gut anfühlt und geil klingt, willst du nicht mehr aus der Hand legen.
- 🚀 Schnellere Fortschritte: Du kämpfst nicht gegen das Instrument (z.B. eine grauenhafte Saitenlage), sondern lernst Akkorde.
- 💸 Du sparst Geld (ehrlich!): Wer Billig-Schrott kauft, kauft zweimal. Eine gute Einsteigergitarre behältst du ewig oder verkaufst sie mit wenig Verlust weiter.
- 🎶 Gänsehaut-Sound: Der Klang inspiriert. Eine blecherne „Wanderklampfe“ inspiriert höchstens zum Aufhören.
- ❤️ Ein Freund fürs Leben: Klingt kitschig, ist aber so. Meine erste gute Gitarre hab ich nach 15 Jahren noch.
Der erste Schock: Akustisch, Elektrisch oder Klassisch?
Okay, du stehst im Laden (oder wahrscheinlicher, du scrollst bei Thomann) und wirst erschlagen. Tausende Modelle. Das erste, was du klären musst: Welcher Typ soll es sein? Das ist die absolute Grundsatzentscheidung und hängt komplett davon ab, was du spielen willst. Es gibt drei Hauptfamilien, und die sind fundamental verschieden.
Lass uns das mal aufdröseln. Die Klassikgitarre (auch Konzertgitarre genannt) ist die mit den Nylon-Saiten. Die klingen weicher, wärmer und sind (angeblich) leichter für die Fingerkuppen. Das ist das Ding für Bossa Nova, klassische Stücke oder wenn du spanische Romanzen zupfen willst. Für Lagerfeuer-Schrammler oder Rocker ist sie eher nix. Der Hals ist auch viel breiter, was das Greifen für kleine Hände echt zur Qual machen kann.
Dann gibt’s die Akustikgitarre, meist „Westerngitarre“ genannt. Das ist das Arbeitspferd. Stahlsaiten, fetter, lauter, brillanter Klang. Das ist die Gitarre für Ed Sheeran, für Country, für Pop, fürs Lagerfeuer. 90% aller Singer-Songwriter spielen so ein Ding. Die Stahlsaiten ziehen aber ordentlich an den Fingern – da musst du durch, die Hornhaut kommt. Und dann gibt’s die E-Gitarre. Das sexy Biest. Ohne Verstärker klingt die nach nichts, absolut leise. Aber mit Verstärker? Himmel oder Hölle, je nach Einstellung. Von cleanem Jazz bis brutalem Metal ist alles drin.
Kleines Psycho-Quiz: Welcher Typ bist du?
- (A) Du willst „Stairway to Heaven“ (den Anfang) zupfen und am Kamin sitzen: Klassikgitarre.
- (B) Du willst „Wonderwall“ am See singen und Leute beeindrucken: Westerngitarre.
- (C) Du willst, dass die Wände wackeln und Soli spielen: E-Gitarre.
Ich persönlich rate den meisten Anfängern, die Pop/Rock/Folk mögen, zur Westerngitarre. Ja, sie tut anfangs mehr weh als die Klassik, aber der Sound motiviert viel mehr. Wenn du explizit weißt, dass du Rock-Held werden willst, steig direkt mit der E-Gitarre ein.
- Klassik: Nylon-Saiten, breiter Hals, warmer Ton. Für Klassik, Flamenco.
- Western: Stahl-Saiten, schmalerer Hals, lauter/brillanter Ton. Für Pop, Rock, Folk.
- E-Gitarre: Braucht Verstärker, dünne Saiten (meist), endloser Sound. Für Rock, Metal, Blues, Jazz, Funk.
Das Budget-Dilemma: Wie viel Kohle musst du wirklich hinblättern?
Jetzt kommt die Geldfrage. Und ich sags dir, wie es ist: Ich krieg ’nen Föhn, wenn ich diese „Komplett-Sets“ für 79€ sehe. Gitarre, Verstärker, Tasche, 10 Plektren und ein Kabel, alles für unter 100 Euro. Klingt super, oder? Falsch. Das ist kein Instrument, das ist Brennholz. Das Ding ist so schlecht verarbeitet, dass es dir jeden Spaß am Lernen raubt. Die Saitenlage (der Abstand der Saite zum Griffbrett) ist oft so hoch, dass du einen Krampf kriegst, nur um einen Ton zu spielen. Die Bünde sind scharfkantig. Es klingt furchtbar.
Mein erster Kauf war genau so ein Fehler. Eine „Shark“ (der Name war Programm) vom Discounter. Nach drei Wochen hab ich das Ding in die Ecke gestellt und dachte, ich bin zu blöd zum Gitarre spielen. War ich nicht. Die Gitarre war Müll. Ein Kumpel lieh mir dann seine 300€-Yamaha und BÄM – es ging. Es war nicht ich, es war das Werkzeug.
Du musst keine 1000€ ausgeben. Aber es gibt eine magische Grenze. Unter 150€ wird es sehr schwierig, eine vernünftige Akustikgitarre zu finden. Bei E-Gitarren (ohne Verstärker!) ist es ähnlich. Mein Rat: Setz dir ein Ziel von etwa 200€ bis 350€ nur für die Gitarre. In diesem Bereich (der „gehobenen Einstiegsklasse“) bekommst du Instrumente, die oft schon eine massive Decke haben (klingt besser, siehe nächster Punkt) und sauber verarbeitet sind. Die kannst du jahrelang spielen.
- Unter 100€: Absolute No-Go-Zone. Das ist Spielzeug, kein Instrument. Du kaufst Frust.
- 150€ – 350€: Der „Sweet Spot“ für Anfänger. Hier gibt’s Qualität (z.B. von Yamaha, Fender (Squier), Epiphone, Ibanez, Harley Benton [ja, die sind gut geworden!]).
- 400€ – 800€: Mittelklasse. Hier fängt der „Sound“ an. Bessere Hölzer, bessere Pickups (bei E-Gitarren).
- 1000€+: Liebhaber- und Profi-Bereich. Brauchst du am Anfang nicht.
Online kaufen vs. Musikladen – Der ewige Glaubenskrieg
Die Debatte ist so alt wie das Internet selbst. Online-Shops wie Thomann oder der Music Store sind gigantisch. Die Auswahl ist unfassbar, die Preise oft unschlagbar, und der Service (gerade bei Thomann) ist legendär. Ich bestelle mein ganzes Kleinzeugs, Kabel, Pedale und manchmal sogar teure Gitarren da. Warum? 30 Tage Money-Back ohne Fragen. Das ist unschlagbar.
Aber. Und das ist ein verdammt großes Aber. Als Anfänger hast du keine Ahnung, wie sich eine Gitarre „anfühlen“ muss. Du siehst ein Bild, liest 500 Bewertungen (von denen die Hälfte von Leuten geschrieben wurde, die genauso wenig Ahnung haben wie du) und klickst auf „Kaufen“. Du packst sie aus und denkst „Joa, ist halt ’ne Gitarre.“ Du merkst nicht, dass der Hals vielleicht minimal krumm ist oder dir die Form überhaupt nicht liegt.
Deshalb mein dringender, fast schon flehentlicher Appell: Geh für deine erste Gitarre in einen verdammten Laden. Ja, ein echter Laden, mit Menschen drin. Fass die Dinger an. Nimm fünf verschiedene Akustikgitarren von der Wand. Auch die, die du hässlich findest. Fühl den Hals. Ist er dick (wie ein Baseballschläger) oder dünn (wie ein Sportflitzer)? Ist der Korpus zu groß für deinen Schoß? Ein guter Verkäufer (und ja, die gibt es) sieht dich, sieht deine Hände, fragt nach deiner Musik und gibt dir drei Modelle, die passen. Diesen Service kann dir kein Online-Shop bieten.
| Eigenschaft | Online (z.B. Thomann) | Musikladen (Lokal) |
| Auswahl | Gigantisch (A+) | Begrenzt (C) |
| Preis | Meist günstiger (A) | Oft Listenpreis (B-) |
| Anfassen | Nein (F) | Ja! (A++) |
| Beratung | Gut (per Mail/Telefon) (B) | Exzellent (wenn Personal gut) (A) |
| Setup | Standard-Werkseinstellung (B) | Oft kostenlos eingestellt! (A) |
| Rückgabe | 30 Tage Money-Back (A+) | Meist nur Umtausch/Gutschein (C) |
Mein Fazit: Geh in den Laden. Lass dich beraten. Finde dein Modell. Und wenn du es dann unbedingt online kaufen willst, weil es 20€ billiger ist… naja, mach’s, aber fühl dich ein bisschen schlecht dabei. 😉
Die Holz-Hölle: Warum Fichte anders klingt als Mahagoni (und ob’s dir egal sein kann)
Jetzt wird’s kurz nerdy, aber das ist wichtig, zumindest bei Akustikgitarren. Der Klang einer Akustikgitarre wird maßgeblich vom Holz der Decke bestimmt (also das Ding mit dem Schallloch drin). Und hier gibt es einen entscheidenden Unterschied: Massivholz vs. Laminat (Sperrholz).
Laminat ist billig. Das sind mehrere dünne Holzschichten zusammengeleimt. Das ist stabil, aber es „schwingt“ nicht richtig. Es klingt dünn, leblos, „boxy“. Leider sind fast alle Gitarren unter 150€ komplett aus Laminat. Eine massive Decke besteht aus einem Stück Holz (bzw. zwei gespiegelten Hälften). Das schwingt frei, klingt lauter, voller und – das ist der Knackpunkt – es klingt mit den Jahren besser. Man sagt, die Gitarre „spielt sich ein“.
Wenn dein Budget es irgendwie hergibt (wir sind wieder bei den ca. 200€+), nimm eine Gitarre mit massiver Fichtendecke oder massiver Zederndecke. Fichte ist der Standard: hell, klar, durchsetzungsfähig. Zeder ist etwas weicher, wärmer, reagiert schneller (toll für leises Zupfen). Ob der Rest (Boden und Zargen) aus Mahagoni, Palisander oder Ahorn ist… Alter, das ist für den Anfang so was von egal. Das sind Nuancen. Aber die massive Decke – die hörst du sofort.
- Laminat (Sperrholz): Günstig, robust, aber klingt „tot“.
- Massivholz (Solid Top): Schwingt besser, klingt voller, reift nach. Das willst du!
- Fichte: Der Alleskönner. Hell, brillant.
- Zeder: Wärmer, intimer. Toll für Fingerstyle.
- Mahagoni: (Manchmal auch als Decke) Sehr „mittig“, holzig, super für Blues.
E-Gitarren Special: Strat, Les Paul oder was ganz anderes?
Okay, du willst also Lärm machen. Sehr gut. Bei E-Gitarren ist das Holz (ja, steinigt mich, ihr Voodoo-Priester) erstmal zweitrangig. Wichtiger sind die Tonabnehmer (Pickups) und die Bauform. Pickups sind die kleinen Mikrofone unter den Saiten.
Da gibt es zwei Haupttypen: Single Coils und Humbucker. Single Coils (wie bei der klassischen Fender Stratocaster) klingen höhenreich, „twangy“, klar, aber sie brummen gerne mal (das ist das 60-Zyklen-Brummen). Humbucker (wie bei der Gibson Les Paul) sind quasi zwei Single Coils, die das Brummen „weg-bucken“ (humbucking). Sie klingen viel fetter, wärmer, haben mehr Power (Output) und sind super für Rock und Metal.
Welche Form? Stratocaster (Strat) oder Les Paul (LP) sind die Ikonen. Die Strat (z.B. Squier Classic Vibe) ist der Alleskönner: super ergonomisch, drei Pickups (oft S-S-S oder H-S-S, also Humbucker am Steg, Single Coils in Mitte/Hals), sehr vielseitig. Die Les Paul (z.B. Epiphone Les Paul Standard) ist das Rock-Brett: schwerer, fetter Hals (meistens), zwei Humbucker. Sie drückt.
Was willst du spielen?
- Blues, Funk, Pop, leichter Rock (à la Red Hot Chili Peppers): Hol dir eine Strat-Kopie (Stratocaster-Typ).
- Fetter Rock, Punk, Metal (à la Guns N‘ Roses, Metallica): Hol dir eine Les Paul-Kopie oder was „Spitzes“ (Ibanez, Jackson).
Für Anfänger finde ich Strat-Typen (mit H-S-S Bestückung) am geilsten. Du hast den fetten Humbucker hinten für Riffs und die Single Coils für cleane Sounds. Besser geht’s nicht.
- Stratocaster-Typ: Meist Single Coils, „twangy“ Sound, sehr vielseitig.
- Les Paul-Typ: Meist Humbucker, fetter, warmer Sound, ideal für Rock.
- Single Coil: Klar, brillant, brummt.
- Humbucker: Fett, laut, brummfrei.
Das unterschätzte Monster: Der Gitarren-Verstärker (Amp)
Kurzer Realitätscheck für alle angehenden E-Gitarristen: Deine 2000€-Custom-Shop-Gitarre klingt an einem 50€-Amp wie eine Mülltonne, in die eine Katze niest. Ernsthaft. Der Verstärker (Amp) macht mindestens 50% deines Sounds aus. Hier zu sparen ist der dümmste Fehler überhaupt.
Vergiss die alten Röhren-Türme (die sind laut, schwer, teuer) und auch die billigen Transistor-Krachwürfel. Wir leben im 21. Jahrhundert. Das Zauberwort heißt Modeling. Modeling-Amps sind kleine Computer, die Dutzende klassische Verstärker und Effekte (Verzerrer, Hall, Delay…) digital simulieren.
Der unangefochtene König in der Einsteigerklasse ist seit Jahren der Boss Katana 50. Das Ding kostet knapp über 200€, kann von flüsterleise bis bandtauglich laut, hat alle Effekte an Bord, die du in den nächsten fünf Jahren brauchst, und klingt absurd gut fürs Geld. Alternativen sind der Positive Grid Spark (kleiner, mehr App-Spielerei) oder der Fender Mustang LT. Kauf so einen. Kauf keinen 10-Watt-No-Name-Amp aus einem Starter-Set. Bitte.
- Modeling-Amp (Tipp!): Digital, vielseitig, alle Sounds & Effekte an Bord. (z.B. Boss Katana, Positive Grid Spark).
- Röhren-Amp: Der „heilige Gral“. Klingt organisch, warm, teuer, schwer, laut. Nichts für Anfänger.
- Transistor-Amp (Standard): Günstig, zuverlässig. Klingt oft steril, wenn’s kein Modeling-Amp ist.
Achtung, Falle! Diese 5 Anfängerfehler kosten dich Nerven (und Geld)
Ich hab sie (fast) alle selbst gemacht, damit du sie nicht machen musst. Hier ist die Top 5 der „Wie-schmeiß-ich-mein-Geld-raus-und-verliere-die-Lust“-Fehler:
- Das 79€-Starter-Set: Hab ich schon erwähnt. Tu es nicht. Der Frust ist garantiert.
- Die Falsche-Typ-Falle: Du willst Rammstein spielen und kaufst eine Konzertgitarre mit Nylonsaiten. Merkst du selbst, oder? Informier dich, was deine Helden spielen.
- Zubehör vergessen: Du hast die Gitarre, aber kein Stimmgerät. Und kein Kabel (bei E-Gitarren). Und keine Plektren. Du sitzt da mit deinem neuen Instrument und kannst… nichts machen. Super. (Siehe Sektion Zubehör).
- Blind online kaufen: Du kaufst die Gitarre, weil sie auf dem Foto geil aussieht. Sie kommt an, der Hals ist so dick wie dein Unterarm und du hasst sie. (Siehe Sektion Laden vs. Online).
- Aufgeben wegen Finger-Aua: Nach drei Tagen tut die linke Hand weh (oder die rechte, bei Linkshändern). Du denkst, du bist nicht gemacht dafür. Falsch. Das muss so. Deine Fingerkuppen sind Weicheier. Die müssen Hornhaut bilden. Das dauert ein, zwei Wochen. Beiß die Zähne zusammen, jeder Gitarrist der Welt war an diesem Punkt.
Dein erstes „Date“: So testest du eine Gitarre im Laden (auch als Blutanfänger)
Du stehst also im Laden. Zitterst. Du kannst ja noch nichts spielen. Wie sollst du da was testen? Völlig egal. Du musst nicht „Smoke on the Water“ (bitte nicht!) spielen. Du musst sie fühlen.
Hier ist deine Checkliste für den Ladenbesuch. Sag dem Verkäufer: „Ich bin totaler Anfänger, hab Budget X und will Musik Y spielen. Was empfiehlst du?“ Und dann nimmst du die Dinger in die Hand:
- Die Optik-Inspektion (Trockenübung):
- Schau dir den Lack an. Irgendwelche Risse, Nasen, Kratzer? (Muss nicht sein, auch bei günstigen nicht).
- Fahr mal vorsichtig mit der Handkante an der Halsseite entlang, da wo die Metall-Bundstäbchen sind. Fühlen die sich scharfkantig an? (Schlechtes Zeichen! Nennt man „fret sprout“, passiert bei trockenem Holz. Nervt beim Spielen).
- Dreh mal an den Stimm-Mechaniken. Fühlen die sich wackelig an oder schön fest und gleichmäßig?
- Der Trage-Test (Ergonomie):
- Setz dich hin. Nimm die Gitarre auf den Schoß. (Bei E-Gitarren: Frag nach einem Gurt und steh auf).
- Fühlt sie sich gut an? Oder ist der Korpus (z.B. bei einer riesigen „Dreadnought“ oder „Jumbo“) dir zu klobig und du kommst mit dem Arm nicht drüber?
- Leg die linke Hand (oder rechte bei Linkshändern) um den Hals. Fühlt er sich gut an? Oder ist er dir viel zu dick oder zu dünn? (Das ist 100% subjektiv!)
- Der „Klang“-Test (Auch ohne Können):
- Zupf einfach mal jede Saite einzeln an. Leer. Lass sie klingen. Klingt ein Ton komisch, „scheppert“ oder „schnarrt“ er? (Könnte an der Saitenlage liegen, kann man einstellen, sollte aber nicht).
- (Für Mutige): Versuch, auf der tiefen E-Saite (die dickste) im 1., 2., 3. und 4. Bund zu drücken und zu zupfen. Es ist egal, wie es klingt, aber wie fühlt es sich an? Musst du drücken wie ein Ochse, damit ein Ton kommt? (Schlechte Saitenlage).
- (Bei E-Gitarren): Lass sie dir anstöpseln (an einen Amp, den du dir auch leisten könntest, z.B. einen Katana). Spiel die leeren Saiten. Dreh am Volume-Regler. Dreh am Ton-Regler. Knackt oder rauscht es dabei? (Sollte nicht).
Du kaufst kein Auto, ohne eine Probefahrt zu machen. Du kaufst keine Gitarre, ohne sie angefasst zu haben. Das Gefühl in deiner Hand und an deinem Körper ist wichtiger als jede Bewertung im Internet.
Das „Ohne-dem-geht-nix“ Zubehör-Paket
Du hast die Gitarre. Du bist pleite. Pech. Du brauchst noch Zeug. Dieses Zubehör ist nicht optional, es sei denn, du willst, dass dein Instrument nach drei Tagen verstimmt in der Ecke liegt.
- Für ALLE Gitarren:
- Stimmgerät: Ein absolutes MUSS. Kauf einen Clip-Tuner (z.B. von Korg, Boss oder D’Addario, ca. 15€). Der wird an die Kopfplatte geklemmt und misst die Vibration. Handy-Apps sind okay, aber im Proberaum oder am Lagerfeuer versagen sie wegen der Lautstärke. Ein Clip-Tuner geht immer.
- Plektren: (Oder „Picks“). Kauf dir einen gemischten Beutel. Dünne (0.46mm, 0.60mm) für Akustik-Geschrammel, mittlere (0.73mm, 0.88mm) als Allrounder, dicke (1.0mm+) für E-Gitarren-Riffs. Probier aus, was dir liegt. Kosten fast nichts.
- Gitarrenständer oder Wandhalter: Leg die Gitarre NICHT auf den Boden. Leg sie NICHT ins Bett. Stell sie NICHT an die Heizung. Sie fällt um, der Hals bricht, Game Over. (Kosten: 10-20€).
- Gigbag (Tasche): Zum Transportieren. Eine gepolsterte Tasche („Gigbag“) reicht. Ein Koffer („Case“) ist für den Anfang Overkill. (Kosten: 20-40€).
- Zusätzlich für E-Gitarren:
- Verstärker (Amp): Siehe oben. Ohne den ist die E-Gitarre stumm.
- Kabel: Ein Klinkenkabel (6,3mm), um Gitarre und Amp zu verbinden. Nimm kein 3€-Kabel, nimm was Solides (z.B. von Cordial oder Fender, 10-20€).
- Optional, aber nett:
- Gurt: Wenn du im Stehen spielen willst. (10-50€).
- Saiten-Satz: Neue Saiten klingen besser. Die Werkssaiten sind oft Mist. (5-15€).
- Kapodaster: Diese Klemme, um die Tonart zu wechseln. Super für Anfänger, um schwere Barré-Akkorde zu umgehen. (10€).
„Hilfe, meine Finger brennen!“ – Die ersten Wochen überleben
Es wird passieren. Du übst 30 Minuten lang den G-Akkord. Danach fühlst du deine linken Fingerkuppen nicht mehr, oder sie brennen wie Feuer. Am nächsten Tag willst du nicht mehr üben, weil es wehtut.
Willkommen im Club.
Das ist die erste große Hürde. Stahlsaiten (bei Western- und E-Gitarren) sind wie Käseschneider für deine untrainierten Wurstfinger. Du musst Hornhaut aufbauen. Das ist ein physischer Prozess, den du nicht überspringen kannst.
- Der Schmerz ist normal. Er bedeutet, dass du es richtig machst.
- Drück nicht zu fest. Viele Anfänger krallen sich an der Gitarre fest. Drück nur so fest wie unbedingt nötig, damit der Ton sauber klingt.
- Spiel TÄGLICH, aber kurz. Besser 6x die Woche 15 Minuten als einmal am Samstag 3 Stunden. Deine Finger müssen sich an die Belastung gewöhnen und die Haut muss sich aufbauen.
- Nicht aufgeben. Nach 1-2 Wochen wird der Schmerz weniger. Nach 3-4 Wochen ist er weg. Dann hast du deine „Pads“.
- (Geheimtipp: Bei E-Gitarren dünnere Saiten aufziehen lassen, z.B. 009er-Satz. Das macht es am Anfang viel leichter.)
Die Sache mit der Größe: 4/4, 7/8, Konzert oder Dreadnought?
Moment, da gibt’s auch noch Größen? Ja, klar. Bei Klassikgitarren ist es einfach, da geht’s nach Alter/Körpergröße (1/2, 3/4, 7/8, 4/4). 4/4 ist die Standardgröße für Erwachsene.
Bei Westerngitarren ist es komplizierter, da geht es um die Korpusform. Die beeinflusst Sound und Bequemlichkeit.
- Dreadnought: Der Klassiker. Groß, bauchig, laut. Die „Kanonen“ fürs Lagerfeuer. Kann für kleinere Leute oder Frauen unbequem sein, weil der Korpus so tief ist.
- Auditorium / OM / 000 (Triple-O): Mittelgroß. Die Alleskönner. Haben eine „Taille“, liegen super auf dem Schoß, klingen ausgewogen. Super für Fingerstyle, aber auch okay für Strumming. Mein persönlicher Tipp für Anfänger, die Dreadnoughts zu klobig finden.
- Parlor: Klein, fast schon zierlich. Klingt „boxy“, bluesig, sehr speziell. Eher was für Kenner.
- Jumbo: Noch größer als Dreadnought. Für Leute, die auf der Bühne alle anderen übertönen müssen.
Geh in den Laden. Setz dich mit einer Dreadnought hin. Setz dich mit einer OM hin. Du wirst sofort merken, was dir besser liegt. Vertrau deinem Bauchgefühl (und deinem Arm).
FAQ: Deine brennenden Fragen zum Gitarrenkauf
Hier die Antworten auf die Fragen, die du dich vielleicht nicht traust zu stellen.
H3: Wie viel kostet eine GUTE Anfängergitarre wirklich?
Lass die 80€-Sets links liegen. Plane für eine solide Akustik- oder E-Gitarre (nur das Instrument!) zwischen 200€ und 350€ ein. In diesem Bereich bekommst du Instrumente, die sauber verarbeitet sind, gut klingen und dich jahrelang motivieren.
H3: Soll ich als Anfänger mit Akustik- oder E-Gitarre anfangen?
Das hängt nur von deiner Musik ab! Willst du Singer-Songwriter-Sachen und am See spielen? Nimm Akustik (Western). Willst du Rock, Metal oder Blues spielen? Nimm E-Gitarre. Der Mythos, man müsse mit Akustik anfangen, ist Quatsch. Fang mit dem an, was dich begeistert.
H3: Ist online kaufen (Thomann & Co.) sicher für Anfänger?
Es ist sicher im Sinne von „du bekommst dein Geld zurück“. Aber es ist riskant für deine Motivation. Als Anfänger kannst du die Qualität nicht beurteilen und nicht fühlen, ob die Gitarre zu dir passt. Geh für den ersten Kauf in einen Laden, fass die Instrumente an.
H3: Ich bin Linkshänder. Brauche ich eine Linkshänder-Gitarre?
Ja, höchstwahrscheinlich. Manche (wie Mark Knopfler) lernen „falsch herum“, aber 99% der Linkshänder spielen auf „Lefty“-Gitarren. Die Auswahl ist kleiner und manchmal sind sie 10-20€ teurer (ärgerlich, aber ist so), aber es lohnt sich. Zwing dich nicht, rechtshändig zu lernen.
H3: Konzertgitarre oder Westerngitarre für den Anfang?
Konzertgitarren (Nylon) sind leiser, klingen weicher und tun an den Fingern weniger weh. Westerngitarren (Stahl) sind lauter, brillanter und der Standard für Pop/Rock/Folk. Ich empfehle Western, weil der Sound die meisten mehr motiviert. Der Schmerz geht vorbei!
H3: Brauche ich für eine Akustikgitarre mit Tonabnehmer einen Verstärker?
Nein. Eine „elektro-akustische“ Gitarre ist primär eine normale Akustikgitarre. Der eingebaute Tonabnehmer (und das Stimmgerät) ist nur ein Bonus, falls du mal auf einer Bühne oder im Proberaum spielen willst. Für dein Sofa brauchst du keinen Amp dafür.
H3: Welche Marken sind gut für Anfänger?
Du machst selten was falsch mit Yamaha, Ibanez oder Fender (bzw. deren günstiger Marke Squier bei E-Gitarren) und Epiphone (die günstige Marke von Gibson). Auch Harley Benton (die Hausmarke von Thomann) hat in den letzten Jahren qualitativ massiv aufgeholt und bietet ein brutales Preis-Leistungs-Verhältnis.
H3: Was ist „Saitenlage“ und warum ist sie wichtig?
Die Saitenlage ist der Abstand der Saite zum Griffbrett. Ist er zu hoch, musst du die Saiten extrem fest runterdrücken, was mega anstrengend ist und den Ton verstimmt (schlecht!). Ist er zu niedrig, „schnarrt“ die Saite auf den Bundstäbchen (auch schlecht!). Eine gute, niedrige Saitenlage ist der Schlüssel zu leichtem Spielen.
H3: Muss ich sofort Saiten wechseln?
Die Saiten, die ab Werk drauf sind, sind oft billig und klingen dumpf. Es ist kein Muss, aber ein Satz neuer, guter Saiten (z.B. von Elixir oder D’Addario, ca. 10-15€) wirkt oft Wunder und lässt eine 200€-Gitarre wie eine 400€-Gitarre klingen.
H3: Dreadnought, OM, Parlor – ich versteh nur Bahnhof?
Das sind Korpus-Formen bei Westerngitarren. Dreadnought ist der große „Standard“ (laut, bassig). OM/Auditorium sind mittelgroß und haben eine Taille (bequem, ausgewogen). Parlor ist klein (leise, „boxy“). Geh in einen Laden und nimm sie in den Arm, du merkst sofort den Unterschied.
Glossar: Das Wichtigste Nerd-Gerede entschlüsselt
- Bundreinheit (Oktavreinheit): Bedeutet, dass die Gitarre über das ganze Griffbrett hinweg sauber gestimmt ist. Ein Ton im 12. Bund sollte exakt eine Oktave höher sein als die leere Saite. Bei Billig-Gitarren ist das oft ein Drama.
- Humbucker: Ein Tonabnehmer (bei E-Gitarren), der „doppelt“ ist und nicht brummt. Klingt fett, warm, viel Power. Standard für Rock/Metal.
- Laminat: Sperrholz. Billig, stabil, klingt aber nicht so gut wie Massivholz, weil es nicht frei schwingt.
- Massivholzdecke (Solid Top): Die Decke der Akustikgitarre ist aus einem „echten“ Stück Holz. Der wichtigste Faktor für guten Akustik-Sound.
- Mensur: Die Länge der frei schwingenden Saite (von Sattel bis Steg). Eine kürzere Mensur (z.B. bei Gibson) bedeutet weniger Saitenspannung, das „Bending“ (Saitenziehen) fühlt sich weicher an.
- Saitenlage (Action): Der Abstand der Saite zum Bundstäbchen. Das wichtigste Kriterium für die Bespielbarkeit. Muss niedrig sein, darf aber nicht schnarren.
- Single Coil: Der „einzelne“ Tonabnehmer (bei E-Gitarren). Klingt brillant, klar, „twangy“. Brummt aber systembedingt leicht. Standard bei Stratocaster-Gitarren.
- Tonabnehmer (Pickup): Das „Mikrofon“ der E-Gitarre oder Elektro-Akustik, das die Saitenschwingung in ein elektrisches Signal umwandelt.
Weiterführende Artikel (Dein Weg nach dem Kauf)
- Die 5 besten Online-Kurse, um Gitarre zu lernen (Vergleich)
- Hilfe, der F-Akkord! Wie du den Barré-Albtraum in 3 Tagen knackst
- Die besten Gitarren-Verstärker für unter 300€ (Der Boss Katana und seine Konkurrenten)
- Gitarrensaiten wechseln: Eine (idiotensichere) Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Gitarre einstellen (Saitenlage & Co.): Wann muss ich zum Profi?
Zusammenfassung: Das Wichtigste auf einen Punkt
Puh, das war ein Ritt. Du siehst, eine Gitarre zu kaufen ist keine Raketenwissenschaft, aber man kann verdammt viel falsch machen. Wenn du Tausende von Wörtern auf einen Satz runterbrechen müsstest, wäre es dieser: Kauf nicht den billigsten Schrott, geh in einen Laden und vertrau deinem Gefühl, nicht den Bildern im Internet.
Der Kauf ist nur der erste Schritt auf einer der geilsten Reisen, die du antreten kannst. Es wird Tage geben, an denen du das Ding an die Wand werfen willst (Stichwort: F-Akkord). Aber es wird Momente geben – wenn du den ersten Song komplett durchspielen kannst oder das erste Mal ein Solo improvisierst – die unbezahlbar sind. Es lohnt sich.
Viel Erfolg bei der Jagd nach deiner Traum-Axt!
- 🔥 Das Budget: Setz deine Schmerzgrenze bei ca. 200€-350€ (nur für die Gitarre). Alles darunter ist oft frustrierendes Brennholz.
- щу Anfassen ist Pflicht: Deine erste Gitarre kaufst du im Laden, nicht online. Ergonomie (wie sie sich anfühlt) schlägt Optik und Marke um Längen.
- 🎸 Der richtige Typ: Willst du Rock? Kauf E-Gitarre. Willst du Lagerfeuer? Kauf Western (Akustik). Willst du Klassik? Kauf Konzertgitarre (Nylon). Misch das nicht!
Quellen (Wo ich mein Halbwissen herhabe)
- Thomann Ratgeber (Gitarre): https://www.thomann.de/de/onlineexpert_beginner_gitarre.html
- Bonedo (Musik-Magazin): https://www.bonedo.de/kaufberatung/gitarre-bass/
- Music Store Ratgeber: https://www.musicstore.de/de_DE/EUR/Gitarren-Ratgeber
- Fender Tech Talk (Hersteller-Blog): https://www.fender.com/articles/tech-talk/
- Gitarr-kaufen.net (Branchen-Magazin): https://gitarre-kaufen.net/





